Trichotillomanie

Trichotillomanie nennt man die krankhafte Störung des Haareausreißens.
Sie zählt zu den psychisch veranlassten Erkrankungen. In Deutschland kennt man die Trichotillomanie erst seit den 1980er Jahren. Wie viele Menschen an dieser Krankheit leiden, ist nicht bekannt. Zu hoch ist die Dunkelziffer.

Wie bei vielen psychischen Krankheiten entwickeln die Betroffenen hohe Fertigkeiten darin, die Krankheit zu vertuschen. Kahle Stellen am Kopf werden durch Perücken, Haarverlängerungen oder Tücher kaschiert. Die Experten der Hamburger Beratungsstelle für Trichotillomanie wissen aber, dass es mehr als 400.000 Betroffene gibt. Andere Stellen schätzen die Zahl der Betroffenen sogar auf zwei Millionen.

Das Problem der Trichotillomanie ist, dass die daran Erkrankten so gut wie nie über diese Krankheit reden. Nicht einmal die Eltern, Bruder, Schwester oder Ehepartner sind in der Regel eingeweiht. Oft wissen die Betroffenen selbst gar nicht, dass es sich bei den Symptomen um eine psychische Krankheit handelt. Häufig tritt die Trichotillomanie bereits im Kindesalter oder aber in der Pubertät auf. Auslöser sind schwere emotionale Störungen oder Erlebnisse. Scheidungskinder, missbrauchte Jugendliche und Behinderte sind oft typische Trichotillomanen. Durch das Ausreißen der Haare unterdrücken die Betroffenen negative Gefühle und Ängste, Depressionen und Schuldgefühle.

Das Haareausreißen wird zur zwanghaften Handlung, zur Manie. In Konfliktsituationen tritt es immer häufiger auf, bis es schließlich unabhängig von Situationen zwanghaft erfolgt. Mit zunehmender Krankheitsdauer wird das Haareausreißen zur Gewohnheit, zum Automatismus, dessen man sich gar nicht mehr bewusst ist. Wie aber lässt sich die Trichotillomanie therapieren?

Ähnlich wie bei Depressionen helfen den Betroffenen oft Stimmungsaufheller wie Serotonin. Die psychische Stabilität lässt sich mit Hilfe von SSRI (Serotonin-Wiederaufnahmehemmern) wieder erreichen. Eine reine Medikamentengabe führt allerdings zu Nebenwirkungen und dämpft lediglich die Symptome. Sinnvoll ist deshalb eine parallele Verhaltenstherapie. Nur wenn die Betroffenen lernen, die Trichotillomanie als Zwangshandlung zu begreifen und zu verstehen, können Verhaltensmuster geändert werden. Außerdem sind die Erfolgquoten bei einer Verhaltenstherapie weitaus höher. Eine Chance auf Heilung besteht durchaus.

In der Therapie lernen die Trichotillomanen, welche Ursachen die psychische Störung ausgelöst haben. Sie arbeiten daran, Situationen zu erkennen, in denen diese Störung auftritt, und lernen, selbstbewusster damit umzugehen. Sie entwickeln Methoden des Umgangs mit Konfliktsituationen und schaffen es so häufig, die Krankheit weitestgehend im Griff zu haben.

Für die Ärzte bleibt die Trichotillomanie weiterhin eine rätselhafte Krankheit. Wie kommt es dazu, dass in Stress- und Konfliktsituationen eine Übersprungshandlung eintritt, die zum Ausreißen der eigenen Haare führt? Warum verspüren die Betroffenen dabei anscheinend keinen Schmerz? Warum haben die meisten Trichotillomanen das Bedürfnis, auf den ausgerissenen Haaren stundenlang herumzukauen oder sie gar zu essen?

Aufgefallen ist den Medizinern in dem Zusammenhang, das die meisten Erkrankten auch an weiteren Zwangsstörungen leiden. Über die Hälfte von ihnen weist Angststörungen und affektive Störungen auf. Bisher vermutet man einen genetischen Defekt hinter der Krankheit. Eine Störung der Nerven konnte bis jetzt nicht eindeutig nachgewiesen werden. Wahnvorstellungen und Halluzinationen treten bei der Trichotillomanie ebenso nicht auf.

Lange vermutete man lediglich eine schlechte Angewohnheit hinter der Trichotillomanie. Heute weiß man, dass die Krankheit unbedingt therapiert werden muss, soll eine Besserung erfolgen oder gar eine Heilung möglich werden.

Betroffene sollten daher immer mit einem Arzt sprechen oder aber im Internet nach Informationsstellen oder Foren suchen, bei denen sie sich informieren können und in denen sich andere Betroffene miteinander austauschen. Nur so können sie es schaffen, sich der Krankheit bewusst zu werden, ihren Ursachen auf den Grund zu gehen und sie erfolgreich zu bekämpfen. Gerade auch in einer Therapie ist der Austausch mit gleichermaßen Betroffenen wertvoll und unterstützt die Heilungsaussichten.

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